Weg von 1&1

Ich war, ungelogen und nicht übertrieben, bisher mit keinem Unternehmen so zufrieden, wie mit 1&1. Die gesamte Kommunikation, der Service, die Tarife, die Kunden-Apps, die Zusatzdienste, es war stets alles gut.

Was mein Vertragsverhältnis anging, mochte ich den Laden einfach, auch wenn ich nicht immer gut fand, wie man sich am Markt bewegte. Ich beziehe von 1&1 meinen DSL-Anschluss und einen Mobilfunkvertrag. Beides aus einer Hand sozusagen.

Den 1&1-Mobilfunkvertrag im Netz von Vodafone habe ich heute gekündigt.

Der Vertrag läuft zwar noch eine Weile, aber die Entscheidung ist gefallen: Weg von 1&1. Das ist schade und fühlt sich nach sehr vielen zufriedenen Jahren mit diesem Unternehmen auch nicht gut an.

Der Grund dafür lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Verachtung. 1&1 hat mir immer mehr das Gefühl gegeben, dass die Belange des Kunden nachrangig sind. Man hat eine Agenda, gerade im Mobilfunkbereich und da stört der Kunde ein wenig. Das mag reine Spekulation von mir sein, aber so fühlt es sich eben an.

Jahrelang und bis zum heutigen Tage bewirbt und verkauft 1&1 Tarife im Netz von Vodafone. Auch jetzt noch prangt auf der 1&1-Website der Slogan „Premium-Tarife in D-Netz-Qualität!“.

Das war vor Jahren für mich eine willkommene Alternative, bei der Preis/Leistung einfach stimmte. Ich habe die Möglichkeit stetig alle Mobilfunknetze in meiner Region auszuprobieren und da kam das Netz von Vodafone immer gut weg.

Kurz: „Hier im Osten“ konnte und kann Vodafone schlicht mehr als das Netz von Telefónica. Oftmals selbst ohne Zugang zum LTE-Netz und das will schon was heißen.

Diese Aussagen sind natürlich immer subjektiv, denn es kommt auf die Orte an, an denen man sich bewegt. Ich kann für einen Bereich zwischen Erfurt und Dresden sprechen, mit Jena, Gera, Eisenberg, Hermsdorf und Co. in der Mitte. Überall gab und gibt es das gleiche Bild.

Nun war mir seit geraumer Zeit klar, mit 3G geht es zu Ende. Dank solider 3G-Versorgung an allen für mich relevanten Orten, selbst auf der Autobahn, störte mich das nicht sonderlich. Doch der LTE-Ausbau und somit auch der 3G-Rückbau schreitet voran. Dieser Prozess wird schleichend, aber spürbar vollzogen.

Nun kam so langsam aber sicher die Frage auf: Liebes 1&1, wann kommt der LTE-Zugang im Netz von Vodafone? Darüber schwieg man sich lange Zeit aus. Das war bequem, denn der Schuldige war schließlich Vodafone, die im Jahr 2017 öffentlich verkündet hatten, dass es keine LTE-Freigabe für Discounter und andere Provider geben wird.

Ungefähr zu Ostern dieses Jahres dann die Wende. Vodafone öffnete für die ersten Discounter und Provider sein LTE-Netz. Während erste Anbieter diese neue Option für ihre Kunden einkauften, gab es bei 1&1 nur Schweigen im Wald.

Die jahrelang einstudierte Hinhaltetaktik gegenüber den 1&1-Kunden im Vodafone-Netz fing an Logiklücken zu bekommen. Dann setzte der Vodafone-Chef noch einen drauf: Die Angebote für LTE im D-Netz liegen bei 1&1 auf dem Tisch!

Ab diesem Zeitpunkt kippte für mich die Sache. Ich erwarte von einem „Billiganbieter“ nicht, dass er ganz vorne mitspielt. Mir ist klar, dass günstige Preise in der Regel gewisse Abstriche bedeuten und von daher war ich auch gerne bereit, die Füße lange Zeit stillzuhalten.

Doch nun zeigte sich: 1&1 will für die Kunden im Netz von Vodafone nichts tun. Vielmehr entschied man sich, über diverse Vertriebskanäle solche Kunden ins Netz von Telefónica zu locken. Aus oben genannten Gründen für mich ein Kartoffelnetz. Unbenutzbar, außer man steht auf Digital detox und EDGE.

Auf einmal kamen SMS mit vollmundigen Wechselversprechen, an der Hotline wurde auf einmal der LTE-Zugang versprochen, sogar SIM-Karten wurden in Werbebriefen ungefragt zugesendet. Diese Maßnahmen haben alle eines gemeinsam: Das Netz, in das der Kunde wechseln soll, wird, so weit es nur irgendwie geht, verschwiegen.

Da war sie wieder, die Verachtung. Lieber Kunde, komm in „unser“ Netz, dann verdienen wir mehr an dir! Lieber Kunde, wir wollen kein LTE bei Vodafone einkaufen, wir werden dich aber weiter hinhalten und dir nicht sagen, ob du jemals den LTE-Zugang erhältst, denn du und deine Wünsche sind uns egal. – das hat man alles nicht gesagt, aber genau so lässt sich meines Erachtens jede Werbemaßnahme interpretieren.

Ein Handeln im Sinne des Kunden, das war das einzige, was ich mir gewünscht hätte. Klare Aussagen, LTE kommt, LTE kommt nicht, oder auch wenigstens: Wir sind dran, wir versuchen alles, ach … einfach irgend eine Ansage.

Ist eine ehrliche Kommunikation zu viel erwartet? Von mir aus auch gerne, wie es andere Provider auch machen, eine LTE-Option zusätzlich anbieten, die Kosten schlicht durchreichen. Zahl Summe X mehr und du bist drin. Einfach mal zeigen: Wir wollen dich als Kunden und dafür machen wir auch was.

Aber nein, das passt nicht zur Mobilfunkstrategie von 1&1. Ich verstehe das aus wirtschaftlicher Sicht. Aus Kundensicht aber ist es traurig. So bleibt mir nur eine Konsequenz, weg von 1&1, obwohl ich so viele Jahre so zufrieden war. Schade.

Den DSL-Vertrag werde ich wohl zukünftig ebenfalls kündigen müssen, da 1&1 auf das von der Telekom ausgebaute FTTH nicht zugreifen kann und somit bei mir auch keinen zeitgemäßen Netzzugang mehr anbieten kann.

UPDATE Mittlerweile hat Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender von 1&1 Drillisch unmissverständlich klargestellt: LTE im Netz von Voda­fone werde es für seine Kunden nicht geben.

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