
Wer heute ein Elektroauto kauft, erfährt in Prospekten, auf Websites und in Anzeigen fast immer zuerst die WLTP-Reichweite. Das klingt nach Transparenz und ist auch wichtig. Der ursprünglichen Idee wird diese Angabe jedoch nicht gerecht.
Denn die WLTP-Angabe ist ein normierter Laborwert. Sie ist wichtig, weil sie Vergleichbarkeit schafft und Hersteller nicht einfach mit Fantasiewerten werben dürfen. Genau aus diesem Grund wurde sie ja überhaupt gesetzlich verpflichtend gemacht. Der Verbraucher soll sich auf eine einheitliche, überprüfbare Grundlage verlassen können.
Nur: Bei Elektroautos entsteht dadurch ein neues Problem. Viele Fahrerinnen und Fahrer nutzen den Akku im Alltag (logischerweise) nicht zwischen 0 und 100 Prozent, sondern eher im Bereich von 20 bis 80 Prozent. Und das nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil es von Fachleuten oft als sinnvoller und batteriefreundlicher Bereich empfohlen wird.
Dieses „20 bis 80“ ist schnell dahingesagt, nur es bedeutet eben auch 40 % weniger Reichweite, das sollte man sich vor Augen führen. Wer also die WLTP-Reichweite liest, bekommt zwar einen offiziellen Wert, aber nicht unbedingt den Wert, der im echten Alltag am meisten zählt.
Alltag statt Labor
Genau da liegt das eigentliche Problem: Die verpflichtende WLTP-Angabe ist zwar ein Schritt in Richtung Verbraucherschutz, aber sie reicht bei E-Autos nicht mehr aus.
Wenn die rechtliche Logik lautet, dass Verbraucher vor irreführender Werbung geschützt werden sollen, dann müsste auch die alltagstaugliche Reichweite verpflichtend genannt werden. Und zwar nicht als freiwilliger Zusatz irgendwo im Kleingedruckten, sondern genauso verbindlich wie WLTP selbst.
Was würde das ändern? Vor allem eines: Ehrlichkeit in der Kommunikation. Dann wäre sofort sichtbar, wie viel Reichweite ein Auto unter praxisnahen Bedingungen tatsächlich bietet. Nicht nur theoretisch, nicht nur im Idealfall, nicht nur mit „randvollem“ Akku. Sondern so, wie viele Menschen das Fahrzeug im Alltag wirklich nutzen (sollen).
Ich halte deshalb eine gesetzliche Pflicht für sinnvoll, die neben der WLTP-Reichweite auch die realistische Reichweite von 20 bis 80 Prozent ausweist. Das wäre verbraucherfreundlicher, ehrlicher und deutlich näher an der Realität. Alles andere wirkt wie ein Schönrechnen mit zwar korrekten, aber eben nicht das ganze Bild zeigenden Normwerten.
Warum sollte die Pflicht zur Transparenz dort enden, wo der Alltag eigentlich erst beginnt?